Die „Sniper-Falle“

Gerade bei Anfängern hört man immer wieder den Satz: „Ich möchte Sniper spielen.“
Und die „Sniper-Falle“ hat zugeschnappt.

Warum „Sniper-Falle“? Bei echten militärischen Einheiten zählen Scharfschützen (engl. Sniper) zur Elite. Sie sind wahre Meister in Tarnung, Infiltration und Schussgenauigkeit über große Distanzen.
Von diversen Leutchen im Internet werden Bilder und Videos verbreitet, wie sie mit ihrer Airsoft-Scharfschützen-Ausrüstung, anscheinend mühelos, ganze Bataillone von Gegenspielern, aus dem Spiel werfen.
Und gerade Anfänger möchten zumeist gerne, vom Anfang an, zur Elite gehören, ständig gewinnen und den Ruf des unfehlbaren Schützen haben.

Doch wie sieht die Realität im Airsoft aus?

Eine brauchbare Ausrüstung für einen Airsoft-Scharfschützen kostet etwas. Und zwar viel. Wirklich viel.
Mit einem Billig-Ghillie-Anzug (dem klassischen Tarnanzug eines Scharfschützen) wird man nicht lange Freude haben. Die Tarnwirkung und Haltbarkeit von solchen Billig-Teilen ist sehr fragwürdig.
Ein guter Ghillie-Anzug fängt bei ca. 100,- Euro gerade mal an, und für einen vernünftigen Eigenbau sollte man mindestens eine Woche Arbeitszeit und 150,- Euro einplanen.
Dann kommen noch diverse Taschen dazu, um benötigtes Equipment (Reservemagazine, Reservegas oder CO2-Kapseln, Funk etc.) zu transportieren.
Selbstverständlich darf ein geeigneter Backup-Markierer (Pistole) plus zugehöriger Holster nicht fehlen, und muss auch am Mann verstaut werden.

Selbstverständlich stellt der Scharfschützen-Markierer einen großen Schwerpunkt dar. Wobei sich die Geister scheiden, ob jetzt ein Repetier-Markierer oder ein elektrischer Markierer besser wäre.
Faktum ist, dass gerade Anfänger dazu tendieren, eher sehr günstige Markierer zu kaufen und dann schwer enttäuscht sind, wenn die erhoffte Leistung nicht erreicht wird.
Und ohne wirklich gutes Tuning wird man an einem Scharfschützen-Markierer auch keine Freude haben, was wiederum ein gutes und solides Model noch weiter verteuert.

Obendrauf kommt das Zielfernrohr. Auch hier gilt, wer billig kauft, kauft teuer. Denn ein brauchbares Zielfernrohr für Airsoft fängt bei ca. 100,- Euro an. Zielfernrohre für Echtwaffen können schon mal 500,- bis 1000,- Euro, und mehr, kosten.

Zusätzlich gehen viele Anfänger davon aus, dass man bei einem Zielfernrohr nur kurz an den Einstellungen drehen muss, und schon trifft man zu 100%, so wie man es in Filmen sieht oder von Computerspielen gewohnt ist.
In der Praxis funktioniert das aber nicht so einfach und es erfordert schon einiges an Wissen und Erfahrung, um ein Zielfernrohr im Airsoft wirklich richtig und effektiv zu nutzen.

Sprich Alles in allem benötigt man als Airsoft-Scharfschütze eine wirklich gute Ausrüstung und einiges an Erfahrung.
Ersteres kann sich ein Anfänger zwar leisten, sofern er dazu bereit ist, aber Zweiteres hat er einfach noch nicht.

Und auch die in diversen Internet-Filmchen (anscheinend mühelos von Airsoft-Scharfschützen) Legionen von aus dem Spiel geworfenen Gegnern existieren so nicht.
Denn bei diesen Filmchen handelt es sich zumeist um einen Zusammenschnitt eines ganzen oder sogar mehrerer Spieltage.
Ein Airsoft-Scharfschütze macht von allen „Airsoft-Archetypen“, normalerweise mit Abstand, die wenigsten Abschüsse.
Was eigentlich logisch ist, betrachtet man seine Ausrüstung und seine normalerweise sehr spezielle Spiel-Methodik.

Auch fällt der wichtigste Faktor, im Gegensatz zum realen Vorbild, für einen Airsoft-Scharfschützen nahezu weg: Der massive Reichweiten-Vorteil.

„Echte“ Scharfschützen „arbeiten“ auf Distanzen ab 600m aufwärts, während „normale“ Soldaten üblicherweise bis maximal 300 bis 500m „arbeiten“.

Im Airsoft muss man bedenken, dass Airsoft-Scharfschützen diesen massiven Vorteil nicht haben, sondern bestenfalls einen durchschnittlichen Reichweitenvorteil von 30 Metern haben, aber dafür mit dem Nachteil leben müssen, dass sie die mit Abstand langsamste Feuerrate haben.
Sprich einmal entdeckt, wird ein Airsoft-Scharfschütze mit einem Schwall an BBs in seine Richtung rechnen. Und dabei nicht getroffen zu werden, ist eher sehr unwahrscheinlich.
Denn ein durchschnittlicher Läufer hat den Reichweitenvorteil eines Airsoft-Scharfschützen in wenigen Sekunden überbrückt, und wird seinerseits seine überlegene Feuerkraft einsetzen um den Airsoft-Scharfschützen aus dem Spiel zu werfen.

Somit kann man abschließend Anfängern nur raten sich von der „Sniper-Falle“ fernzuhalten.
Wenn einmal ein gewisser Grad an Erfahrung vorhanden, und das Interesse noch immer da, ist, dann kann man sich mit der Airsoft-Scharfschützen-Thematik noch immer befassen.
Aber für einen echten Anfänger ist eher zu raten, tunlichst davon die Finger zu lassen.

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